WhatsApp erweiterter Chat-Datenschutz: Was er wirklich bringt

WhatsApp

Seit April 2025 rollt WhatsApp eine Einstellung namens „Erweiterter Chat-Datenschutz“ aus, im Original Advanced Chat Privacy. Anders als die üblichen WhatsApp-Einstellungen gilt sie nicht global fürs ganze Konto, sondern lässt sich pro Chat einzeln aktivieren, sowohl in Zweier- als auch in Gruppenchats. Der Grundgedanke: Inhalte aus einem bestimmten Chat sollen WhatsApp möglichst nicht verlassen, weder auf andere Geräte noch in andere Apps.

Was die Funktion konkret blockiert

Aktiviert man den erweiterten Chat-Datenschutz für einen Chat, passiert dreierlei. Erstens lässt sich der Chatverlauf nicht mehr exportieren, die sonst übliche Ein-Klick-Funktion zum Sichern eines kompletten Chats als Datei fällt weg. Zweitens werden Fotos und Videos aus diesem Chat nicht mehr automatisch auf das Gerät der Teilnehmer heruntergeladen. Drittens, und das dürfte für viele der eigentliche Auslöser sein: Die Meta-KI, die WhatsApp inzwischen in Europa ausrollt, bekommt keinen Zugriff mehr auf diesen Chat. Man kann sie in einem so geschützten Chat also gar nicht erst per @MetaAI dazuholen.

So aktiviert man die Funktion

Der Weg dorthin ist kurz: Im gewünschten Chat auf den Namen des Kontakts oder der Gruppe tippen und dort „Erweiterter Chat-Datenschutz“ auswählen. Vorausgesetzt wird die aktuelle WhatsApp-Version, die Funktion wurde nicht an einem Tag für alle freigeschaltet, sondern schrittweise über mehrere Monate verteilt.

erweitereter Datenschutz Einstellung

Was die Funktion nicht kann

Und hier wird es ernüchternd. Screenshots lassen sich mit dem erweiterten Chat-Datenschutz nicht verhindern, jeder Chatpartner kann Nachrichten weiterhin abfotografieren, speichern oder an Dritte weiterleiten, ganz normal wie vorher auch. WhatsApp selbst nennt als Beispiel für den sinnvollen Einsatz Gruppen, in denen sensible Themen wie Gesundheitsfragen besprochen werden, obwohl man nicht jede Person darin persönlich gut kennt, ausgerechnet in so einem Szenario bleibt die Schutzwirkung also löchrig. Wer Vertrauliches mit Menschen teilt, denen er nicht vollständig vertraut, sollte sich unabhängig von dieser Einstellung zurückhalten.

Ein Missverständnis kursiert außerdem häufig zur Meta-KI: Sie liest nicht automatisch alle Nachrichten eines Chats mit, sondern verarbeitet nur das, was direkt an @MetaAI adressiert wird. Der erweiterte Chat-Datenschutz verhindert vor allem, dass diese Funktion in einem Chat überhaupt genutzt werden kann, nicht ein heimliches Mitlesen, das es in dieser Form ohnehin nicht gibt.

Bringt das wirklich etwas?

Teilweise, aber mit klaren Grenzen. Als Werkzeug gegen das versehentliche Vollspeichern eines Chats auf fremden Geräten oder gegen den automatischen Zugriff der Meta-KI ist die Einstellung ein sinnvoller, kleiner Baustein. Als umfassender Schutz der Privatsphäre taugt sie nicht, dafür fehlt schlicht die Kontrolle über das, was andere mit sichtbaren Inhalten anstellen, Screenshots eingeschlossen. Kritische Stimmen wie netzpolitik.org sprechen deshalb von einer „Scheinsicherheit“: Der Name klingt nach mehr Schutz, als tatsächlich geliefert wird. Wichtig ist dabei auch die Wortwahl: WhatsApp verspricht „Datenschutz“, nicht „Sicherheit“, das sind zwei unterschiedliche Dinge, die in der Debatte gerne durcheinandergeraten.

Grundsätzlich bleibt WhatsApp zudem ein Dienst, der zwar Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Nachrichteninhalte bietet, aber umfangreiche Metadaten speichert, etwa wer wann mit wem kommuniziert, Gerätetyp, IP-Adresse oder den „Zuletzt online“-Zeitstempel. Diese Metadaten können auf behördliche Anfrage weitergegeben werden. Der erweiterte Chat-Datenschutz ändert daran nichts.

Alternativen für mehr Privatsphäre

Wer grundsätzlich mehr Wert auf Privatsphäre legt, findet in Messengern wie Signal oder dem kostenpflichtigen Threema deutlich weitreichendere Datenschutzkonzepte, empfohlen unter anderem von IT-Sicherheitsexperten. Wer eine dezentrale Lösung sucht, kann sich XMPP oder Matrix ansehen. Für WhatsApp-Nutzer, die die App aus praktischen Gründen (noch) nicht wechseln wollen, ist der erweiterte Chat-Datenschutz trotzdem eine sinnvolle Zusatzoption, man sollte nur wissen, wo ihre Grenzen liegen.

Häufige Fragen zum erweiterten Chat-Datenschutz

Wo aktiviere ich den erweiterten Chat-Datenschutz bei WhatsApp?
Im gewünschten Chat auf den Namen des Kontakts oder der Gruppe tippen, dann „Erweiterter Chat-Datenschutz“ auswählen. Die Einstellung gilt pro Chat, nicht global.

Verhindert die Funktion Screenshots?
Nein. Chatpartner können weiterhin Screenshots machen, speichern und weiterleiten, das wird durch die Funktion nicht blockiert.

Was blockiert der erweiterte Chat-Datenschutz konkret?
Den Export des Chatverlaufs, das automatische Herunterladen von Medien auf die Geräte der Teilnehmer sowie den Zugriff der Meta-KI auf diesen Chat.

Liest die Meta-KI ohne diese Einstellung alle meine Nachrichten mit?
Nein. Die Meta-KI verarbeitet nur, was direkt per @MetaAI an sie gerichtet wird, kein automatisches Mitlesen des restlichen Chats.

Ist WhatsApp mit dieser Funktion so sicher wie Signal?
Nein. Signal und das kostenpflichtige Threema gelten unter Datenschutzexperten als deutlich privatsphärefreundlicher, unter anderem weil WhatsApp weiterhin umfangreiche Metadaten speichert.

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