Kredit für den Mittelstand: Ziehen Banken die Zinsen wieder an?

Kredit für den Mittelstand

Für die deutschen Unternehmen muss der Kreditmarkt zur Unternehmensfinanzierung ein sehr unterschiedlich bewertet werden. Große Unternehmen und etablierte Mittelständler haben oft weniger Probleme an Kredite für Investitionen oder die Absatzfinanzierung zu kommen. In den letzten Jahren konnten sie zudem, abhängig vom speziellen Risiko von einem sehr günstigen Zinsniveau profitieren. Für Gründer und kleine Unternehmen ist es bis heute eher schwierig bei den üblichen Geschäftsbanken eine Finanzierung zu erhalten.

Bankkredite können wieder teurer werden

Bankkredite für den Mittelstand könnten darüber hinaus nach Ansicht einiger Experten in Zukunft allgemein wieder teurer werden. Banken, die viele Kredite an Investoren nach alt bekanntem Verbriefungs-Schema verkaufen, werden diese zunehmend schlechter los. Das Risiko kann somit nicht mehr ohne Abschläge aus den Bankbilanzen ausgelagert werden. Das kann wiederum zu höheren Kreditzinsen führen, unabhängig davon ob der Leitzins auf historisch niedrigem Niveau bleibt.

Höhere Zinsen können junge Unternehmen besonders hart treffen

Unter dem Zinsrisiko könnten vor allem kleinere und Unternehmen und Gründer leiden. Wenn sie überhaupt einen Kredit bei einer Bank erhalten, müssen sie sowieso schon überdurchschnittliche Zinsen in Kauf nehmen. Oft sind bis zum Eingang des Geldes der Kunden Überbrückungen notwendig. Alternative Finanzierungen sind über P2P-Plattformen, Business Angels und eventuell Venture-Kapital möglich. Wer als Freelancer kurzfristig Geld braucht, kann auch darüber nachdenken, einige Ausgaben mit einem Mikrokredit zu überbrücken.

Verbriefungen gehen munter weiter

Das Geschäft mit verbrieften Kreditforderungen durch Banken geht munter weiter, obwohl genau diese Verbriefungen im Jahr 2008 Auslöser der Lehmann Krise waren. Allerdings handelte es sich damals überwiegend um nicht ausreichend besicherte Immobilienkredite in den USA, die für die Marktverwerfungen seinerzeit verantwortlich waren.

Das Verbriefungsgeschäft geht dennoch weiter. Banken versuchen damit Risiken aus den vergebenen Krediten aus ihrer Bilanz herauszubekommen, um Eigenkapital für neue Kreditvergaben freizumachen. Grund ist, dass jedes bei Kreditvergaben durch Banken eingegangene Risiko mit einem Teil des Eigenkapitals unterlegt sein muss.

Die Verbriefungen sind für Banken also essentiell, um weiter zu wachen ohne Kapitalerhöhungen durchführen zu müssen. Das Problem: Seit letzten Jahr sind die sonst so risikofreudigen Investoren vorsichtiger geworden. Viele Kreditpakete könne aktuell nur mit erheblichen Abschlägen veräußert werden. Das wird sich über kurz oder lang auf die Konditionen für Kreditkunden durchschlagen und zu einer Verteuerung der Kredite führen.

Vorerst keine Signale für Zinsanhebungen durch die EZB

Zum Jahresanfang wurde in den Medien munter über eine mögliche Zinsanhebung durch die EZB spekuliert. Das scheint sich mittlerweile zerschlagen zu haben. Die Probleme in Italien und der immer noch zu schwache Aufschwung in einigen Euro-Ländern machen derzeit eine Zinsabhebung unwahrscheinlich. In den USA wird darüber hinaus über eine Trendumkehr der bisherigen Zinspolitik spekuliert. Die US-Zinsen könnten wieder fallen. Für Kreditnehmer bedeutet das, dass Kredite weiterhin auf einem günstigen Niveau bleiben werden. Das gilt so jedoch nur bei ausgezeichneter Bonität. Das kreditnehmerspezifische Risiko wird zusätzlich in den Konditionen eingepreist. Viele Unternehmen, vor allem solche mit einer geringen Eigenkapitaldecke, müssen daher mit höheren Zinsen rechnen.

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