Weltweite Logistik-Industrie erholt sich schnell

Logistik-Industrie

Die Coronapandemie hat der Logistik im letzten Jahr stark zugesetzt. Viele Unternehmen mussten monatelang ihre Lieferketten komplett stoppen, als im Februar 2020 plötzlich die ganze Welt stillstand. Lagerhallen waren schnell mit Artikeln ĂŒberfĂŒllt, Millionen Tonnen Lebensmittel wurden vernichtet. Viele Logistiker empfanden die Lage als aussichtslos, zahlreiche Leasing VertrĂ€ge mit Reedereien und Fahrzeugvermietern wurden gekĂŒndigt. Doch die globale Wirtschaft lief schneller wieder an als von vielen erwartet und der positive Trend setzt sich 2021 fort. FĂŒr viele ist es trotzdem nicht schnell genug.

Lieferschwierigkeiten bleiben bestehen

Doch nur, weil die Logistikbranche wieder teilweise aktiv arbeitet, heißt das nicht, dass es keine LieferengpĂ€sse gibt. Denn viele Zwischenlager sind mittlerweile leer, Materialien, die geliefert werden, werden fast sofort weiterverarbeitet. Ein Puffer, welcher Verzögerungen ausgleichen kann, fehlt oftmals. Da fast jede ProduktionsstĂ€tte mittlerweile wieder auf 100 % lĂ€uft, ist die Nachfrage nach Rohstoffen so hoch wie vor der Pandemie. Doch globale Logistiknetzwerke wieder vollstĂ€ndig zu aktivieren, benötigt Zeit. Und auch einige andere GrĂŒnde fĂŒhren dazu, dass der Welthandel momentan stockt und Regalsysteme ĂŒberall noch eine Weil leer bleiben könnten.

Regale

Einer dieser GrĂŒnde ist das noch immer vorhandene Corona-Virus. Denn noch immer verursachen gelegentliche ZwischenfĂ€lle monatelange AusfĂ€lle an HĂ€fen, wodurch nur sehr wenige Schiffe abgearbeitet werden können. Das Ergebnis: Stau. Erst vor kurzem infizierten sich einige Hafenarbeiter im chinesischen Shenzhen mit Covid. Daraufhin musste der dortige Hafen, einer der grĂ¶ĂŸten der Welt, fĂŒr einige Wochen mit der HĂ€lfte der Belegschaft auskommen. Da China fĂŒr eine gewaltige Menge der weltweiten Importe und Exporte zustĂ€ndig ist, wirkte sich dieser Zwischenfall auf den gesamten Welthandel aus.

Es fehlt an Containern fĂŒr Waren

Container

Ein anderer Grund ist die Containerkrise. Besonders in China fehlt es schlichtweg an Containern, um riesige Warenmengen zu transportieren. Denn fast jedes Frachtschiff ist mittlerweile voll beladen unterwegs und es dauert teilweise Monate bis Container wieder im Heimathafen eintreffen. Denn auch Übersee herrscht Chaos. Besonders in Amerika, speziell am Hafen in Los Angeles, dauert es teilweise Wochen, bis Schiffe entladen werden.

Verantwortlich dafĂŒr ist vor allem die hohe Kaufkraft der US-Amerikaner, die dafĂŒr sorgt, dass wĂ€hrend des Lockdowns noch mehr Artikel im Internet bestellt werden.Dadurch stauen sich Schiffe auch auf dieser Seite der Erde und es werden RekordumsĂ€tze erzielt. In Los Angeles werden momentan mehr Container abgefertigt als je zuvor zu dieser Jahreszeit.

Weltweite Krise auch in Deutschland spĂŒrbar

Auch hierzulande machen sich Corona- und Containerkrise bemerkbar. Importe aus China kosten momentan rund zehnmal so viel wie normalerweise. Teilweise ist die Lieferung teuer, als die Ware, die geliefert wird. Darunter leiden besonders KMU, die auf Lieferanten aus Asien und Amerika angewiesen sind. Und das wird wahrscheinlich noch eine Weile so bleiben. Denn weltweit ĂŒbertrifft das benötigte Transportvolumen zurzeit das tatsĂ€chlich vorhandene. Hinzu kommen die momentanen Umweltbestrebungen vieler LĂ€nder, unter anderem der Green Deal Amerikas. Dieser zwingt viele Logistik- und Transportunternehmen in den nĂ€chsten Jahren umweltfreundlicher zu agieren und aufzurĂŒsten, was die Kosten fĂŒr Transport lokal und global dauerhaft erhöhen wird.

Logistikbranche boomt trotz Krisen

Frachtschiff

Trotz einigen EngpĂ€ssen profitieren fast alle Transportunternehmen von der momentanen Lage. AuftrĂ€ge gibt es genug und eine EntschĂ€rfung der Situation ist mit Blick auf das WeihnachtsgeschĂ€ft nicht abzusehen. Der WirtschaftsprĂŒfer PriceWaterhouseCoopers (PVC) veröffentlichte vor Kurzem eine Studie, in welcher die UmsĂ€tze zahlreicher Logistikunternehmen 2021, mit denen im letzten Jahr verglichen wurden. Das Ergebnis lĂ€sst sich sehen: Die Frachtschifffahrt knackt momentan fast tĂ€glich Umsatzrekorde und auch die Luftfracht erlebt ein Allzeit-Hoch. Dasselbe gilt fĂŒr die KEP-Branche, also Kurier-, Express- und Paketdienste. Besonders der Boom des Online-Handels, ausgelöst durch Corona und die verstĂ€rkte Digitalisierung vieler EinzelhĂ€ndler, sorgen fĂŒr ein nie dagewesenes Paketvolumen.

Jetziger Gewinn wird in Zukunft fĂŒr Investitionen gebraucht

Die positive Entwicklung des Welthandels sollte dafĂŒr sorgen, dass sich viele Logistikunternehmen von den Umsatzeinbußen des letzten Jahres erholen können. Alles, was danach an Gewinn ĂŒbrigbleibt, muss höchstwahrscheinlich demnĂ€chst bald wieder neu investiert werden. Denn der bereits angesprochene Green-Deal, welcher auch in Europa zu mehr Nachhaltigkeit fĂŒhrt, sowie die Digitalisierung in der Logistikbranche, werden mit hohen Kosten verbunden sein. Intelligente Lagersysteme, Software mit kĂŒnstlicher Intelligenz und elektrische Frachtfahrzeuge finanzieren sich schließlich nicht von allein.

FĂŒr alle anderen Branchen bleibt zu hoffen, dass sich die Lage in den nĂ€chsten Monaten etwas entspannt. Doch bis der weltweite Artikelstau vollstĂ€ndig gelöst ist und alle Zwischenlager wieder mit Rohstoffen gefĂŒllt sind, könnte es noch etwas dauern. ZwischenfĂ€lle wie die Blockade des Suez-Kanals helfen auf jeden Fall nicht dabei, die Lage zu entspannen. Maßnahmen zur BekĂ€mpfung des Corona-Virus könnten im Laufe des Jahres erneut verschĂ€rft werden. Bis dahin erfreut sich die Logistikbranche an einem Allzeit-Hoch an AuftrĂ€gen.

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