Schadstoffe in alten Gebäuden und Schadstoffsanierung

Flur im alten Gebäude
Flur im alten Gebäude / ©tan4ikk/depositphotos.com

Stehen sie vor einer Sanierung oder dem Abbruch eines Gebäudes ist es besser, sich im Vorfeld im klaren zu sein, ob der betreffende Gebäudeteil oder das gesamte Haus schadstoffbelastet ist. Ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche Verwendung von schadstoffbelasteten Baumaterialien ist das Baujahr des betroffenen Gebäudes oder Gebäudeteils beziehungsweise der Zeitraum von Sanierungen, Umbauten oder Einbauten. Denn Materialien wie PCB, alte Mineralwolle, PAK oder HSM wurden in bestimmten unterschiedlichen Jahren gehäuft verwendet.


In der Regel kann man bei allen vor Gebäuden mit Baujahr oder Sanierungsmaßnahme vor 2000 davon ausgehen, dass sie Baumaterialien aus alter Mineralwolle enthalten, aus denen bei Eingriffen krebserzeugende Faserstäube freigesetzt werden.

Was ist Polychlorierte Biphenyle (PCB)?

Polychlorierte Biphenyle sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen. Sie wurden bis in die 1980er Jahre vor allem in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, in Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet.

Wie wirkt PBC auf unsere Gesundheit?

Typische Auswirkungen einer PCB-Vergiftung sind das Auftreten von Chlorakne, Haarausfall, Hyperpigmentierungen, Leberschäden, Teratogenität und eine Schädigung des Immunsystems (Immuntoxizität).

Die chronische Toxizität macht PCB als Gebäudeschadstoff, z. B. aus alten, mechanisch zerstörten Kondensatoren, Fugendichtungsmassen (vor allem in Betonbauten aus den 60er und 70er Jahren) oder Akustikdecken, besonders gefährlich, denn für gewöhnlich ist die Aufenthaltsdauer immunschwacher Menschen (also Kinder, kranker und alter Menschen) in Innenräumen ohnehin besonders hoch. Aufgrund der Anreicherung im Fettgewebe können selbst kleinste laufend aufgenommene Mengen schädlich sein.

Was ist Pentachlorphenol (PCP)

PCP kam wegen seiner fungiziden Wirkung vor allem in Holzschutzmitteln zum Einsatz, beispielsweise in Westdeutschland im Holzschutzmittel Xylamon BV (in Kombination mit Lindan), in der DDR unter anderem in den Mitteln Hylotox IP und Paratectol 9025. In manchen Ländern wird PCP jedoch auch heute noch in der Textil- und Lederindustrie sowie als Imprägniermittel und zum Bläueschutz für Holz verwendet. Nachzuweisen ist es u. a. in Textilien aus Naturfasern und Druckfarben.

Der Mensch nimmt PCP auf verschiedenen Wegen auf:

  • Inhalativ: über die Atmung als Dampf oder an Staub gebunden.
  • Oral: mit Nahrungsmitteln oder Hausstaub (v.a. bei Kleinkindern).
  • Dermal: durch Hautkontakt mit Kleidung und Gebrauchsgegenständen, z.B. Bettwäsche.

Wie wirkt PCP auf unsere Gesundheit?

Das Beschwerdebild einer PCP-Belastung im Körper ist überwiegend unspezifisch und stellt sich in den meisten Fällen als chronisches Ermüdungs- und Erschöpfungssyndrom dar. Weitere Symptome die erwähnt werden sind:

  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hautausschläge
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Nachtschweiß
  • Müdigkeit
  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche
  • Nervenschmerzen
  • motorische Schwäche mit Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Unverträglichkeit von Kaffee und Alkohol
  • Haarausfall und Kopfschmerzen.

Was ist KMF?

Künstliche Mineralfasern (KMF) sind aus mineralischen Rohstoffen synthe­tisch hergestellte Fasern. Hierin unterscheiden sie sich von den Asbestfasern, die als Mineral in der Natur vorkommen und bergmännisch gewonnen werden.

Als Beispiel für die Zusammensetzung von KMF-Produkten nehmen wir die Zusammensetzung von Glaswolle:

Neben dem Hauptbestandteil von bis zu ca. 70 % Altglaswird für die Produktion von Glaswolle Sand, Kalkstein und Soda verwendet. Daneben werden je nach Produkt 0,5 bis 7 % Bindemittel (z. B. Phenol- und Harnstoff-Formaldehyd-Harze) sowie ca. 0,5 % Schmelzmittel (z. B. Mineralöle, Silikonöle und Silikonharze) zugesetzt.

Wie wirkt KMF auf unsere Gesundheit?

Eine gesundheitsschädigende Wirkung kann bei KMF durch Einatmen auftreten. Vor allem dann, wenn die Fasern kritische kleine Abmessungen aufweisen, ähnlich wie bei Asbest können dann krebserzeugend wirken. Auch im Feinstaubbereich, können sie besonders schädlich für die Lunge sein. Bei Hautkontakt können KMF Juckreiz auslösen.

Was ist Lindan?

Besonders in den siebziger und achtziger Jahren wurde PCP (Pentachlorphenol) zusammen mit Lindan in Holzschutzmitteln verwendet. Seit dieser Zeit schlummern in vielen alten Holzverkleidungen Altlasten an Giften, die auch heute noch in die Raumluft gelangen und weiterhin gesundheitliche Probleme hervorrufen können.

Wie wirkt Lindan auf unsere Gesundheit?

Lindan wirkt wie PCP neurotoxisch. Allerdings wird dessen Toxizität etwas niedriger als die von PCP eingeschätzt. Mögliche Symptome können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Zittern
  • Krämpfe
  • Erhöhung der Leberwerte
  • reversible (umkehrbare) Vergrößerung der Leber
  • motorischen Störungen
  • psychischen Veränderungen

Was ist PAK?

PAK ist die Abkürzung für Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Es gibt viele verschiedene poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe. Bekannt ist Naph­thalin, früher in Mottenkugeln verwendet und für deren eigenen Geruch verantwort­lich. PAK sind in Erdöl vorhanden, ebenso in Kohle und dort vor allem im Steinkohle­teer. Sie entstehen beispiels­weise, wenn Holz oder Kohle unvoll­ständig verbrennt.

Wie wirkt PAK auf unsere Gesundheit?

Die Wirkung auf den Menschen hängt stark von der Zusammensetzung der PAK ab. PAK entfetten die Haut, können zu Hautentzündungen führen, können Hornhautschädigungen hervorrufen und die Atemwege, Augen und den Verdauungstrakt reizen. Das Einatmen, die Aufnahme durch den Mund oder die Haut kann zu Gesundheitsschäden führen.

Hauptsächlich von Betroffenen genannte Symptome:

  • Haut- u. Schleimhautreizungen
  • Hautausschläge
  • rezidivierende und/oder langdauernde Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege
  • vermehrte und/oder langdauernde Allgemeininfekte
  • Übelkeit/ Erbrechen/ Durchfälle
  • spontanes Nasenbluten
  • starkes (nächtliches) Schwitzen
  • Haarausfall
  • Kopfschmerzen
  • auffallende Mattigkeit, Müdigkeit
  • Gliedertaubheit, -zittern
  • Glieder- u. Muskelschmerzen

Was versteht man unter HSM?

HSM ist die Abkürzung für Holzschutzmittel. Holzschutzmittel wurden bereits seit über 100 Jahren im Baubereich eingesetzt. Diese besitzen fungizide und insektizide Wirkungen zum Schutz des Holzes. Alte HSM beinhalteten häufig Stoffe wie Lindan, DDT und PCP die bereits seit mehreren Jahren nicht mehr hergestellt werden dürfen. Im Umgang mit HSM belasteten Materialien sind ebenfalls besondere Schutzmaßnahmen gemäß Gefahrstoffverordnung zu beachten.

Wie wirkt HSM auf unsere Gesundheit?

Häufig treten erst Jahre später Symptome auf, die jedoch nicht sofort mit der Belastung eines Holz­schutz­mittels in Verbindung gebracht werden. Die Symptome, die mit lang anhaltenden Holz­schutz­mittel­belastungen, vor allem mit PCP, Lindan und DDT, in Zusammen­hang gebracht werden, sind breit gefächert, sie reichen von Haut­erkrankungen über Leber­störungen bis zur Schwächung des Immun­systems. Betroffene klagen oft über Konzentrations­störungen, Kopf­schmerzen, Gereiztheit, Leistungs­schwäche, Müdig­keit und Schlafstörungen.

Was ist HCHO?

Formaldehyd (HCHO) ist einer der bekanntesten und am besten erforschten Schadstoffe in der Luft von Innenräumen. Durch ihre vielfältige industrielle Anwendung bei der Herstellung von Holzwerkstoffen, Dämmmaterialien, Farben und Reinigungsmitteln ist die Substanz in der Raumluft üblicherweise nachweisbar. Holzwerkstoffe (Spanplatten, beschichtete Spanplatten, Tischlerplatten, Furnierplatten, Faserplatten) bzw. Produkte aus Holzwerkstoffen wie z. B. Möbel, Türen, Paneele sind nach wie vor die wichtigsten Quellen für Formaldehyd in Innenräumen.

Wie wirkt HCHO auf unsere Gesundheit?

Ab gewissen Konzentrationen von Formaldehyd wird es von empfindlichen Personen als stechend riechend wahrgenommen. Die Auswirkungen von Formaldehyd auf den menschlichen Körper bei erhöhten Konzentrationen wird besonders im Nasenrachenraum, als krebserregend benannt, da das Formaldehyd hier beim Einatmen direkt mit der Schleimhaut in Berührung kommen kann.

Was ist der DDT-Schadstoff?

Dichlordiphenyltrichlorethan, abgekürzt DDT, ist ein Insektizid, das seit Anfang der 1940er-Jahre als Kontakt- und Fraßgift eingesetzt wird. Wegen seiner guten Wirksamkeit gegen Insekten, der geringen Toxizität für Säugetiere und des einfachen Herstellungsverfahrens war es jahrzehntelang das weltweit meistverwendete Insektizid. Allerdings reicherte es sich wegen seiner chemischen Stabilität und guten Fettlöslichkeit im Gewebe von Menschen und Tieren am Ende der Nahrungskette an.

Wie wirkt DDT auf unsere Gesundheit?

Das Pflanzenschutzmittel DDT steht neben einer Vielzahl von weiteren Umweltgiften im Verdacht, hormonelle Störungen hervorzurufen. Diese hormonell wirksamen Schadstoffe, werden als endokrine Disruptoren oder Xenohormone bezeichnet. DDT kann durch Abwässer in die Umwelt gelangen. Diese Schadstoffe werden verdächtigt bei Menschen eine Minderung der Fruchtbarkeit sowie Hoden-, Prostata- und Brustkrebs hervorzurufen. Ähnliche  Schadstoffe, die zu dieser Gruppe gezählt werden, sind Polychlorierte Biphenyle (PCB), die als Weichmacher in Lacken, Kunstoffen und Isoliermitteln verwendet wurden. Die vollständigen Gesundheitsgefahren, die von diesen Schadstoffen ausgehen, sind allerdings noch weitgehend unerforscht.

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